Der Romancier
Und somit überlasse ich mein einziges reales Vermögen der Prüfung und stelle dessen Schicksal einer milden Behandlung anheim. Um die Begutachtung zu erleichtern, habe ich einige Prachtpassagen angestrichen.“
Mit „Röda rummet“ (Das rote Zimmer) gelingt Strindberg 1870 der definitive Durchbruch. Es ist also ein Roman, mit dem der 30-jährige Autor reüssiert, und das sowohl bei der Kritik als auch beim lesenden Publikum. Zwar hatte er zu diesem Zeitpunkt schon einiges veröffentlich, unter anderem das Stück „Mäster Olof“ (Meister Olof), eine nennenswerte Leserschaft allerdings hatte er noch nicht.
Die Literaturgeschichte geht allgemein davon aus, „Das rote Zimmer“ habe eine moderne Sprache in die schwedische Literatur eingebracht. Das ist zweifellos richtig: Noch nach gut 130 Jahren bereitet das Buch höchstes Lesevergnügen. Gewiss, der Roman hat kompositorische Mängel, in der Sprachbehandlung und der Schärfe der Kritik an seiner Zeit jedoch ist er souverän. Gerade das journalistische Element, ausgedrückt im vorangestellten Zitat „...lasse ich die Gesellschaft vor dem Leser Revue passieren ...“, ist charakteristisch für die Anlage der Aufzüge und Interieure im Abschnitt „Schilderungen aus dem Künstler- und Schriftstellerleben“.
Neben „Das rote Zimmer“ zählen die „Hemsöborna“ (Die Leute auf Hemsö), eine Burleske vom Leben in den Schären, zu seinen beliebtesten und meistgelesenen Büchern. Der Dichter selbst hatte eine gespaltene Haltung zu diesem Werk. Er hatte es bei einem Aufenthalt in Bayern geschrieben und betrachtete es mehr oder weniger als Broterwerb. Wenn die Karikierten, die Bewohner der wirklichen Schäreninsel Kymendö, den Sommeraufenthalten des Urhebers ablehnend gegenüber standen, dann war das nur verständlich. Denn ungeachtet aller munteren Töne und schönen Naturschilderungen, handelt es sich hier keineswegs um Schönfärberei, die Protagonisten betreffend.
Stilistische Triumphe hingegen feiert Strindberg vor allen Dingen in den Novellensammlungen „Giftas“ (Heiraten) I und II sowie in den Spätwerken „Karantänmästarens berättelser“ (Der Quarantänemeisters), „Taklagsöl“ (Richtfest) und „Syndabocken“ (Der Sündenbock). Er brilliert dort mit unbarmherziger Schärfe seiner psychologischen Analysen und einer meisterhaften Handhabung seiner Ausdrucksmittel.
Autor der Strindberg-Artikel: Magnus Halldin
Zusammenstellung von ”Strindberg – eine Zeitleiste”: David Gedin
© 2012 bei den jeweiligen Autoren und dem Staatlichen Kulturrat




